Motorpsycho

„Motorpsycho passen nicht einmal in die größte Schublade der Welt”, hat Oliver Polak einmal geschrieben. Die norwegische Gruppe, für Polak die „vielleicht genialste Rockband” überhaupt, veröffentlichen seit fast dreißig Jahren Alben, die sich in kreativer Kompromisslosigkeit durch sämtliche Stilrichtungen bewegen, die im weitesten Sinne etwas mit Rock zu tun haben. Ihre Alben sind klangästhetisch so divers, dass sie wie mit viel Sorgfalt zusammengestellte Mixtapes aus Songs verschiedenster Künstler wirken. Bassist und Sänger Bent Saether sagte, dass Motorpsycho nicht eine bestimmte Musikrichtung spielen, sondern dass sie alle Musik spielen, mit einer eigenen Sensibilität. Sie kommen aus der Region Tröndelag, und Tröndische seien noch heute in Norwegen dafür bekannt, in der Mitte des Mittelalters den König umgebracht zu haben, der sie zum Christentum bekehren wollte. „Wir sind in höchsten Maße autonom”, fasste es Snah (Hans rückwärts), der Gitarrist, zusammen. Den Bandnamen entnahmen sie einer Russ-Meyer-Retrospektive, die sie sahen, als sie Ende der Achtziger zum Plattenkaufen in London waren. Mudhoney und Faster Pussycat gab es schon. Aber Motorpsycho gab es noch nicht. Das wichtigste Album der formativen Phase ist wohl „Timothy’s Monster” aus dem Jahr 1994, ein Grunge-Album, irgendwie, abenteuerlustig und expansiv. Letztes Jahr veröffentlichten sie „The Tower”, eine anderthalbstündige Psychedelic-Rock-Oper, auf der sie sowohl Béla Bartók als auch Townes Van Zandt zitieren.